IP012 Vom Nutzen der Historie

Früher war alles besser, früher war alles gut…

… so sangen einst die Toten Hosen. Insofern ist es nur logisch, dass wir in dieser Folge, welche auf die “Folge des Todes” folgt (Folgen folgen nämlich bekanntlich immer), sich mit diesem ominösen “Früher” beschäftigt. War es nicht schön damals, als die Welt noch in Ordnung war, Martin noch Haare hatte und wir ohne Angst ins innerdeutsche Sperrgebiet auf Landminensuche gehen konnten. Wir können so viel von dieser Zeit lernen, oder etwa nicht? Wie immer lernt ihr bei uns die Wahrheit kennen und sie ist nicht leicht zu akzeptieren.

Literatur:
Thanassas, Panagiotis (2017): Vom Nutzen der Historie. Hegels Auflösung des historischen Didaktizismus. Zeitschrift für philosophische Forschung, 71(4):515-535.

Auch lesenswert:
Nietzsche, Friedrich: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben.

2 Antworten auf „IP012 Vom Nutzen der Historie“

  1. Guten Abend Martin und Hermes,

    jetzt geht es los mit kommentieren. Ich möchte einen wichtigen Aspekt der Historie erwähnen, den ihr beiseite gelassen habt: durch die Erzählung der Geschichte entsteht ein gemeinsames Narrativ, das konstitutiv für die Gruppen ist, die es erzählen. Dabei ist die Frage nach wahr oder nicht kaum zu beantworten. In einem solchen narrativen Sinnfeld nämlich ist alles wahr, was erzählt wird. Die Wahrheit ist hier eine Teilmenge des Realen. Eine Wahrheit, die gänzlich die Realität erfasst ist meines Erachtens eh nicht möglich, weil Wahrheit grundsätzlich subjektiv sein muss. Und davon zu unterscheiden wäre eben noch die Wirklichkeit.

    1. Hi Christoph,
      stimmt, das ist sicher ein Aspekt, der zu beachten ist. Charles Taylor geht z.B. davon aus, dass solche Narrative (er spricht von gemeinsamer Geschichte aber ich erlaube mir, das hier etwas zu überstrapazieren) essenziell sind, um Solidarität in Gruppen zu schaffen. Sie schaffen eine Art Bedeutungshintergrund vor dem Handlungen und Normen innerhalb der Gruppe interpretiert werden bzw. der diese Handlungen und Normen überhaupt verstehbar macht. Hierfür ist selbstverständlich, wie du ja sagst, die “Wahrheit” erstmal nur bedingt relevant. Leider, denn solche Narrative sind es, die auch von den Nazis oder heutigen autoritären Regimen gerne bemüht wurden/werden, um die Massen zu “vereinen”. Solidarität dieser Form ist also alles andere als unproblematisch 🙁

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