IP027 Liberale Neutralität

Was ist ein gutes Leben und inwieweit hat der Staat da ein Wörtchen mitzureden? Unser heutiger Autor sagt: gar nie nichts!

Konkret geht es um ein Thema aus der praktischen Ethik, welches selbst Hermes sprachlos macht. Wir sprechen über das Recht, anders zu sein und die Aufgabe des Staates, diese Andersheit zu schützen. Außerdem lernen wir, dass Hermes Gott widerlegt und wir ihm dabei ins Gesicht spucken dürfen.

Also: tief Luft holen und genügend Flüssigkeit aufnehmen! Los geht’s

Literatur:
Puga‐Gonzalez, C. (2019). Liberal Neutrality and the Nonidentity Problem: The Right to Procreate Deaf Children. Journal of Social Philosophy.

4 Antworten auf „IP027 Liberale Neutralität“

  1. Liebes Team von I. P.,

    erst heute habe ich Euch entdeckt und (beim Bügeln) zwei Folgen mit wachsender Begeisterung gehört.

    Zum Thema der Sendung: Ich denke schon, dass es in der praktischen Philosophie eine Begründung für die Entscheidung des Staates in UK gibt, und zwar im Rahmen des – in England nicht ganz bedeutungslosen – Utilitarismus. Zwar lässt sich im individuellen Vergleich nicht entscheiden, welcher Embryo mehr Recht auf Leben hat, der Staat aber hat dies gar nicht im Einzelnen zu entscheiden, sondern lediglich dafür zu sorgen, dass das gemeinsame Nutzenoptimum seiner Bürger – in diesem Fall einschließlich seiner zukünftigen Bürger – erreicht wird. Es läuft, vereinfacht gesprochen, auf die Maximierung der Summe des erzielbaren Nutzens (oder irgendwie kommensurabel gemachten “guten Lebens”) hinaus. Es dürfte klar sein, dass ein Leben mit Gehör mehr Möglichkeiten bietet.

    Das kulturelle Argument zählt nicht – immerhin kann sich ein Hörender entscheiden, gehörlos zu werden bzw. hörend oder nicht-hörend zur Gruppe der Gehörlosen zugehörig zu werden (wenn man ihn lässt).

    Disclaimer: Ich bin Fan von Nietzsche und DNA. 🙂

    1. Hi Christoph,
      schön zu hören. Leider haben wir schon lange keine neuen Folgen produziert weil uns die Coronasituation in vielerlei Hinsicht fordert. Aber du hast ja erstmal etwas aufzuholen 😉

      Zu deinem Kommentar. Ich musste auch erstmal die Folge hören um mich zu erinnern, was wir da genau erzählt haben 😛

      Auch aus utilitaristischer Perspektive geht es ja um den größten Nutzen bzw., je nach Ausprägung, das größte Glück möglichst vieler. Das Argument der Eltern war ja, dass das Kind in der Community der Gehörlosen besser klarkommt, wenn es “richtig” dazugehört. Ob das wirklich der Fall ist, vermag ich nicht zu beantworten, aber wenn dem so wäre, dann würde ja durch die Wahl des gehörlosen Embryos netto mehr Glück erzeugt weil sich das Kind mit Gehör immer ausgeschlossen fühlen könnte. Das setzt natürlich, bleiben wir in der Denkweise des Utilitarismus, auch voraus, dass das gehörlose Kind eben keinerlei Einschränkung für andere erzeugt, die dann wieder auf die Waagschale gelegt werden müssten. Aber auch wenn wir diese Prämisse kaufen, so können wir immer noch nicht wissen, welcher der beiden Embryonen später mehr Glück verspürt, weil wir dafür alle Rahmenbedingungen kennen müssten und vermutlich immer noch nicht schlauer wären 😉

      LG
      Martin

    1. Hi Christoph,
      das weiß ich gar nicht so genau. Ich habe ja nur meine Interpretation geschrieben. Aber die hat keinen Anspruch auf die Wahrheit 😉
      Wir freuen uns auf weitere Denkanstöße
      LG
      Martin

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